Kurzgeschichte 2010 – Kapitel 0 – Nichts wird mehr so sein
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Lässig nahm der ein wenig in die Jahre gekommene Professor Alghi den Gang aus seinem Porsche 921 turbo und zog die Handbremse mit gedrücktem Knopf nach oben. Mit einem Schwung hatte er seinen schwarzen Echtleder-Aktenkoffer, der farblich und materiell zur Innenausstatung passte, mit der rechten Hand ergriffen und mit der linken die Tür geöffnet. Was ihm 2088 noch kurios erschien, war nun, vier Jahre nach seinem Arbeitsbeginn hier, zur Routine geworden. Nur eines war keine Routine: heute fühlte er sich jung wie nie. Auf dem Gelände des neuen Münchner Instituts für Dimensionalforschung war die Welt noch ein Stück weit in Ordnung. Man konnte seinen Autoschlüssel stecken lassen und brauchte sich keine Gedanken machen, dass etwas fehlte. Erstens verdiente hier jeder genug und zweitens war es wohl der best überwachteste Komplex ganz Deutschlands. Den Weg vom Parkplatz zum Sicherheitseingang konnte er mittlerweile mit geschlossenen Augen gehen; aber warum sollte er. Der Frühling hatte seinen Atem über München gelegt und hier in den Randbezirken wäre es eine Schande die Augen zu verschließen. Die weiteren Zugangsroutinen allerdings waren mehr nervig als alles andere. Zugangskarte, Code, am Sicherheitdienst vorbei und den Sonderaufzug in die Sublevel nehmen. Nochmal ein achtstelliger Code und einen biometrischen Gesichts-/Irisscanner benutzen. Wieder ein Raum mit Sicherheitsleuten, Metalldetektor, Tasche durchleuchten. Dann brauchte er nur noch einen “ganz altmodischen” DNA-Codierten Sicherheitsschlüssel und schon konnte er sein Labor hier unten betreten. Auf seinem Weg wurde er von 32 hochauflösenden Kameras aus verschiedenen Winkeln gefilmt, deren Daten auf speziellen Sicherungsmedien die nächsten 50 Jahre archiviert werden würden.
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Alghi stellte seine Aktentasche neben der Tür ab, nahm den Laborkittel vom Haken an der Innenseite der Tür, klippte seinen Sicherheitsausweis um und trat an die tief brummende Reaktionskammer. Sie war eigentlich nur Schleuse und “Fahrstuhl” für eine viel größere, unter ihm gelegene Apparatur.
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In zwei Minuten würde er erste Testdaten auswerten können. Seit rund 12 Stunden bauten noch tiefer unter ihm eigens für diesen Zweck entworfene Kondensatoren eine massive Ladung auf; es wurde höchste Zeit den Testbehälter einzuführen. Er wusste nicht woher die von einem Magnetfeld in Schwebe gehaltene Flüssigkeit kam, er wusste nur was sie tat. Alles stand schon bereit und eine weitere Umdrehung seines DNS-Schlüssels später öffnete sich die Verwahrkammer; ein zwei Meter hoher Zylinder im Durchmesser nicht mehr als 30 cm. Der Testbehälter war eine undichsichtige Metallkugel. Alghi wurde aufgeregt. Dies war er, der Moment seiner Karriere. Mit seinen Publikationen würde er endlich zu dem Ruhm finden, den er sich in der wissenschaftlichen Welt immer gewünscht hatte. Er schaltete das Magnetfeld mit ab, indem er den immer noch steckenden Schlüssel 180° in die Gegenrichtung drehte. Sein Labor verriegelte sich hermetisch; SIcherheitsmaßnahme. Ab jetzt hatte er circa drei Minuten Zeit die Kugel an dessen abgewandten Seite sich die Seriennummer befand wieder in ein Magnetfeld zu geben. Ansonsten würde die Feldstärke so sehr nachlassen, dass der winzige Tropfen im Zentrum des Metallkugel Gefahr laufen würde mit der Innenwand in Kontakt zu kommen. Alghi hatte keine Ahnung, was dann passieren würde. Er wusste nur: In der Zusicherung, eigentlich war es mehr eine 120 – seitige Verschwiegenheitserklärung gefolgt von 10 Seiten Gefahrhinweisen, die er unterzeichnet hatte stand nur, dass dies unter allen Umständen zu vermeiden war, da es die Substanz zerstören würde.
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Er öffnete die Eingabeschleuse an der vorderseite des Gerätes und legte die Kugel behutsam ein. Wenige Sekunden später war diese 50m tiefer vor die Fokussierungslinse des Hauptlasers gefahren worden. Weitere sieben Sekunden später hätten die Hilfslaser die Metallkugel aufgetrennt, so dass die Substanz frei in der Testkammer schwebte. Die Laborverriegelung wurde wieder aufgehoben. Mit leicht schwitzigen Händen setzte er sich vor seine acht Monitore. Sieben zeigten Testdaten, einer das Kamerabild eines schwebenden Punktes.
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Der Türöffner klackte kurz. Aufgeregt steckte noch ein Weißkittel seinen Kopf herein: “Is’ es schon so weit?”, fragte Dr. Limann, der Protege des Professors. “Komm schnell Peter, gleich schreiben wir Geschichte.”, entgegenete Alghi und winkte ihn hastig zu sich heran. Eifrig postierte sich der junge Doktor mit dem kantigen Gesicht hinter dem sitzenden Professor und beäugte wachsam die Werte auf den Monitoren. Alghi gab seine letzten Instruktionen an den Computer. Er lachte während er tippend seinen Protege aufzog. “Ihr Beitrag Limann, die präzise Feldstärke! Ohne die hätten wir gar nicht erst anzufangen brauchen.” Das klacken der Tastatur wurde immer leiser, das Brummen der Kammer immer hochfrquenter… die Entladungssequenz hatte genau jetzt begonnen. Der einzige Weg alles abzubrechen wäre die Kondensatoren mit einem schlag zu erden. Sieben Jahre seines Lebens wären dahin gewesen. Doch das sollte heute nicht passieren. Viel zu Aufmerksam studierten beide die Messwerte, verfolgte farbige Balkendiagramme die sich langsam mit Farbe füllten.
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Limanns hielt die Luft an und seine Beretta 93R zielte von hinten genau auf Alghis Herz. Die rückstoßgesteuerten Projektile der 3er-Salve stellte sicher, dass Alghi nicht mehr miterleben würde, was gleich geschehen würde. Ein Schuß durchschlug sein Herz, der zweite zerstörte den Atlaswirbel und der letzte Schuß landete in seinem Hinterkopf. Die speziellen Hohlmantel-Niedergeschwindigkeitsgeschosse stellten sicher, dass keine der Kugel wieder nach vorne austrat. Die Sicherheitsleute im Wachraum drehten einen Schlüssel herum und das Labor begann sich mit einem hocheffektiven sedativen Aerosol zu füllen. Limann ließ hastig die Pistole fallen – er brauchte sie nicht mehr – , kippte den Leichnam vom Stuhl und gab die letzten Befehle ein, die dieser Komplex je sehen würde, während er sich setzte.
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Limann atmete aus… atmete ein. Das letzte, was seine Sinne ihm meldeten war der optische Reiz einer Tür, die aufflog und das auf unerklärliche Weise sehr deutliche Gefühl einer kleinen Skeletthand, welche er als Kette unter seinem Hemd trug.
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+ 00:00:01 eine Zahl, die das OLE Display nie anzeigen würde.

"As soon as you identify with the mind, you are no longer yourself but a mental image of yourself; playing games to meet your egos needs."