actio|\|blog: …wenn aus reactio actio wird

Erkenntnis des Abends

Einen bestimmten Menschen zu tiefst zu verachten anstatt zu hassen braucht viel weniger Energie, fühlt sich aber genau so gut an…

Endspurt

Ende August langsam Licht in Sicht; davor wirds scheins nochmal “lustig”… Now running on DefCon I

Adaptation and integration approved

26) Wenn dir etwas nur wichtig genug ist oder sehr am Herzen liegt nimmt man sich dafür die Zeit und lässt keine anderen Ausreden zu.

27) Optionslimitierungen sollten angemessenen Sachverhalten vorbehalten und nicht rein moralexklusiv betrachtet werden

Kurzgeschichte 2010 – Kapitel 1 – Ein neues Jahr

Kronenberg stand am Fenster seiner nur spärlich beleuchteten Detektei und starrte auf die Straße. Dder Schein der Natriumdampflampen tauchte die Straße so weit er sehen konnte in oranges Licht. Wie oft stand er genau hier, einen Meter hinter sich seinen Schreibtisch und starrte einfach nur raus, versuchte Muster zu erkennen; in Schneeflocken, in seinem Denken, in Menschen. Heute war Silvester, die Straßen leer und Kronenberg hatte seine Sekretärin eigentlich schon am Vormittag zu ihrer Familie nach Hause geschickt. Eigentlich wollte er auch schon lange die Bürotür hinter sich schließen, doch eine seltsame Kombination aus Arbeitseifer und dem Bedürfnis seinen Geist beschäftigt zu halten ließ ihn heute Abend schon die vierte Akte schließen. Papierkram. Wenigstens ein Mal im Jahr, so hatte er es sich vorgenommen, würde es hier bei ihm ordentlich aussehen; und stilecht hatte er damit gewartet bis heute, Silvester 22:54 Uhr. Kronenberg riss sich von seinen Gedanken los und setzte sich wieder an seine Schreibmaschine. Gerade wollte er, er hatte die Finger schon fast an den Tasten, die nächste Seite eines Berichtes an einen Klienten weitertippen da fiel sein Blick auf den verchromten Flachmann neben seiner Torpedo-Schreibmaschine.

desk_final

Passend zum flüssigen Inhalt trug sie einen tiefgrünen Samteinband; Absinth. Eine Weile saß Kronenberg da und hielt einen jener inneren Zwiespalte von denen man weiß, dass sie komplett unwichtig sind; aber dennoch. Mit einem kurzen Ruck kam er auch aus diesem “Dilemma” heraus: Der Bericht würde warten müssen. Kronenberg hatte eine Idee und der Absinthflachmann, der in seiner Hosentasche verschwand war Teil dieser Idee. Fast schon ein wenig hastig aber mit einem leicht zufriedenen Gesichtsausdruck sprang er auf, und zog das unterste Register seines Aktenschrankes heraus. Die Schachtel Zigarillos lag schon länger da und immer, wenn sich Kronenberg einmal von allem ablenken wollte erfuhr dieses untere Register besondere Aufmerksamkeit. Schnell klemmte er sich eine Akte mit rotem Einband unter den Arm, um  sie auf Samathas Tisch zu legen; Samatha sollte ihm diesen ganzen Brocken doch erst einmal vorsortieren. Schal und Mantel vom Kleiderständer neben der Tür, die Kette an der Schreibtischlampe mit dem blauen Schirm ziehen und die Tür zu seinem Büro zuziehen. Hier, im „Sekretariat“, das mehr ein einfaches Vorzimmer war fand man den makellos aufgeräumten Schreibtisch von Samatha, seiner Sekretärin., dessen Ordnung nun von dem fast schon resigniert abgeleten roten Aktenstapel gestört wurde. Kronenberg schmunzelte kurz, als er ihre mittlere Schreibtischschublade von der anderen Seite öffnete, zielsicher in die linke Ecke, zwei Zentimeter vom Außenrand griff und eine Packung Streichhölzer hervorholte. Wäre er dabei ein wenig mehr achtsam gewesen hätte er vielleicht gemerkt, dass er versehentlich den roten Stapel so weit an den Rand des Tisches geschoben hatte, dass dieser noch mit seinem Schwerpunkt ausmachte, ob er denn nun vom Tisch zu fallen gedenke oder nicht. Alleine der recht kräftige Stoß, den Kronenberg der Sekretariatstür verpasste, bevor er das Treppenhaus betrat, reichte aus um das ganze Aktensammelsurium kippen zu lassen. Es sähe vermutlich nach „normaler Unordnung“ aus; so wie halt nun einmal zuviel Papier am Boden aussah, Kronenberg kannten den Anblick nur zu gut. Was die Sache für sowohl den Straßenpöbel, als auch einen Ministerialrat eindeutig in die Elementsammlung derer Dinge bringen würde, die garantiert nicht so einfach vom Alltag wieder verschluckt werden würde, dies stand auf einem Blatt, welches die Beschreibung zu dem darunter angehefteten Photo trug. Doch von alledem würde Kronenberg erst in einer Weile erfahren, für ihn waren die Dinge immer noch von einer dicken Nebeldecke verborgen und selbst von dem Nebel wusste er noch nichts. Doch ähnlich wie der Rauch, den Kronenberg hier am Dach des Mehrbürogebäudes aus seinen Lungen blies, würde sich auch der Nebel über den Dingen lichten… es würde nur eine ganze Weile länger dauern.

Moments

  • Wunderbare Texte, einfach nur festlich
  • ein Text des “Schriftstehlers”, bei dem ich Gänsehaut bekam und instinktiv beim Applaus aufstand
  • Punktgleichheit mit der alltäglich sympatischen Frau Wortwahl mit meinem Text *einen MomentInneHaltUnd BeinaheTräneVerlier*
  • infernale Ideen mit Martin Geier geschürt

…und für einen Moment verstummten die Schreie in mir und ich empfand Dankbarkeit dafür, Teil dieses unvergesslichen Moments sein zu dürfen…

Ode an den Alltag

You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. You will not break me. I don’t want to put all the pieces together again, not again, not again so soon.

Kurzgeschichte 2010 – Kapitel 0 – Nichts wird mehr so sein

- 00:13:01

Lässig nahm der ein wenig in die Jahre gekommene Professor Alghi den Gang aus seinem Porsche 921 turbo und zog die Handbremse mit gedrücktem Knopf nach oben. Mit einem Schwung hatte er seinen schwarzen Echtleder-Aktenkoffer, der farblich und materiell zur Innenausstatung passte, mit der rechten Hand ergriffen und mit der linken die Tür geöffnet. Was ihm 2088 noch kurios erschien, war nun, vier Jahre nach seinem Arbeitsbeginn hier, zur Routine geworden. Nur eines war keine Routine: heute fühlte er sich jung wie nie. Auf dem Gelände des neuen Münchner Instituts für Dimensionalforschung war die Welt noch ein Stück weit in Ordnung. Man konnte seinen Autoschlüssel stecken lassen und brauchte sich keine Gedanken machen, dass etwas fehlte. Erstens verdiente hier jeder genug und zweitens war es wohl der best überwachteste Komplex ganz Deutschlands. Den Weg vom Parkplatz zum Sicherheitseingang konnte er mittlerweile mit geschlossenen Augen gehen; aber warum sollte er. Der Frühling hatte seinen Atem über München gelegt und hier in den Randbezirken wäre es eine Schande die Augen zu verschließen. Die weiteren Zugangsroutinen allerdings waren mehr nervig als alles andere. Zugangskarte, Code, am Sicherheitdienst vorbei und den Sonderaufzug in die Sublevel nehmen. Nochmal ein achtstelliger Code und einen biometrischen Gesichts-/Irisscanner benutzen. Wieder ein Raum mit Sicherheitsleuten, Metalldetektor, Tasche durchleuchten. Dann brauchte er nur noch einen “ganz altmodischen” DNA-Codierten Sicherheitsschlüssel und schon konnte er sein Labor hier unten betreten. Auf seinem Weg wurde er von 32 hochauflösenden Kameras aus verschiedenen Winkeln gefilmt, deren Daten auf speziellen Sicherungsmedien die nächsten 50 Jahre archiviert werden würden.

- 00:02:22

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Alghi stellte seine Aktentasche neben der Tür ab, nahm den Laborkittel vom Haken an der Innenseite der Tür, klippte seinen Sicherheitsausweis um und trat an die tief brummende Reaktionskammer. Sie war eigentlich nur Schleuse und “Fahrstuhl” für eine viel größere, unter ihm gelegene Apparatur.

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- 00:02:03

In zwei Minuten würde er erste Testdaten auswerten können. Seit rund 12 Stunden bauten noch tiefer unter ihm eigens für diesen Zweck entworfene Kondensatoren eine massive Ladung auf; es wurde höchste Zeit den Testbehälter einzuführen. Er wusste nicht woher die von einem Magnetfeld in Schwebe gehaltene Flüssigkeit kam, er wusste nur was sie tat. Alles stand schon bereit und eine weitere Umdrehung seines DNS-Schlüssels später öffnete sich die Verwahrkammer; ein zwei Meter hoher Zylinder im Durchmesser nicht mehr als 30 cm. Der Testbehälter war eine undichsichtige Metallkugel. Alghi wurde aufgeregt. Dies war er, der Moment seiner Karriere. Mit seinen Publikationen würde er endlich zu dem Ruhm finden, den er sich in der wissenschaftlichen Welt immer gewünscht hatte. Er schaltete das Magnetfeld mit ab, indem er den immer noch steckenden Schlüssel 180° in die Gegenrichtung drehte. Sein Labor verriegelte sich hermetisch; SIcherheitsmaßnahme. Ab jetzt hatte er circa drei Minuten Zeit die Kugel an dessen abgewandten Seite sich die Seriennummer befand wieder in ein Magnetfeld zu geben. Ansonsten würde die Feldstärke so sehr nachlassen, dass der winzige Tropfen im Zentrum des Metallkugel Gefahr laufen würde mit der Innenwand in Kontakt zu kommen. Alghi hatte keine Ahnung, was dann passieren würde. Er wusste nur: In der Zusicherung, eigentlich war es mehr eine 120 – seitige Verschwiegenheitserklärung gefolgt von 10 Seiten Gefahrhinweisen, die er unterzeichnet hatte stand nur, dass dies unter allen Umständen zu vermeiden war, da es die Substanz zerstören würde.

- 00:01:15

- 00:01:14

- 00:01:13

- 00:01:12

Er öffnete die Eingabeschleuse an der vorderseite des Gerätes und legte die Kugel behutsam ein. Wenige Sekunden später war diese 50m tiefer vor die Fokussierungslinse des Hauptlasers gefahren worden. Weitere sieben Sekunden später hätten die Hilfslaser die Metallkugel aufgetrennt, so dass die Substanz frei in der Testkammer schwebte. Die Laborverriegelung wurde wieder aufgehoben. Mit leicht schwitzigen Händen setzte er sich vor seine acht Monitore. Sieben zeigten Testdaten, einer das Kamerabild eines schwebenden Punktes.

- 00:00:42

- 00:00:41

- 00:00:40

- 00:00:39

Der Türöffner klackte kurz. Aufgeregt steckte noch ein Weißkittel seinen Kopf herein: “Is’ es schon so weit?”, fragte Dr. Limann, der Protege des Professors. “Komm schnell Peter, gleich schreiben wir Geschichte.”, entgegenete Alghi und winkte ihn hastig zu sich heran. Eifrig postierte sich der junge Doktor mit dem kantigen Gesicht hinter dem sitzenden Professor und beäugte wachsam die Werte auf den Monitoren. Alghi gab seine letzten Instruktionen an den Computer. Er lachte während er tippend seinen Protege aufzog. “Ihr Beitrag Limann, die präzise Feldstärke! Ohne die hätten wir gar nicht erst anzufangen brauchen.” Das klacken der Tastatur wurde immer leiser, das Brummen der Kammer immer hochfrquenter… die Entladungssequenz hatte genau jetzt begonnen. Der einzige Weg alles abzubrechen wäre die Kondensatoren mit einem schlag zu erden. Sieben Jahre seines Lebens wären dahin gewesen. Doch das sollte heute nicht passieren. Viel zu Aufmerksam studierten beide die Messwerte, verfolgte farbige Balkendiagramme die sich langsam mit Farbe füllten.

- 00:00:17

- 00:00:16

- 00:00:15

- 00:00:14

Limanns hielt die Luft an und seine Beretta 93R zielte von hinten genau auf Alghis Herz. Die rückstoßgesteuerten Projektile der 3er-Salve stellte sicher, dass Alghi nicht mehr miterleben würde, was gleich geschehen würde. Ein Schuß durchschlug sein Herz, der zweite zerstörte den Atlaswirbel und der letzte Schuß landete in seinem Hinterkopf. Die speziellen Hohlmantel-Niedergeschwindigkeitsgeschosse stellten sicher, dass keine der Kugel wieder nach vorne austrat.  Die Sicherheitsleute im Wachraum drehten einen Schlüssel herum und das Labor begann sich mit einem hocheffektiven sedativen Aerosol zu füllen. Limann ließ hastig die Pistole fallen – er brauchte sie nicht mehr – , kippte den Leichnam vom Stuhl und gab die letzten Befehle ein, die dieser Komplex je sehen würde, während er sich setzte.

- 00:00:02

Limann atmete aus… atmete ein. Das letzte, was seine Sinne ihm meldeten war der optische Reiz einer Tür, die aufflog und das auf unerklärliche Weise sehr deutliche Gefühl einer kleinen Skeletthand, welche er als Kette unter seinem Hemd trug.

00:00:00

+ 00:00:01 eine Zahl, die das OLE Display nie anzeigen würde.